Wie man den Feind besiegt

Wie man den Feind besiegt

In dieser Welt besiegt das Feinste auch die gröbsten Dinge.

Und da ich dies weiß, übe ich mich in der feinsten Kunst, dem Nicht-Handeln.

LAOTSE, BEGRÜNDER DES TAOISMUS (604-531 V. CHR.)

Das Geheimnis hinter der Macht des Mühelosen liegt in der Struktur des Universums begründet. Alles in dieser Schöpfung ist in Schichten oder Stufen der Manifestation aufgebaut. Uns am nächsten liegt all das, was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen: Das ist die erste Ebene, die Oberfläche. Aber unter der Oberfläche sind zunehmend feinere, weniger sichtbare Ebenen verborgen. Sie sind nicht direkt greifbar, weniger konkret und schwerer zu erfassen. Sie scheinen stiller und weniger aktiv zu sein.

Aber diese feinen Ebenen sind die Grundlage für die groben, sinnlich erfassbaren Ebenen. Und sie sind in Wahrheit mächtiger, kraftvoller als jene.

Die moderne Quantenphysik hat das eindrucksvoll belegt.

Mit dem bloßen Auge betrachtet, besteht die Welt aus klar abgegrenzten Objekten. Ich sitze auf dem Stuhl, hacke mit den Fingern auf der Tastatur des Computers herum und starre mit den Augen auf die seltsamen Hieroglyphen auf dem Bildschirm, aus denen nach und nach dieser Text entsteht. All das sind klar abgegrenzte Objekte.

Aber schon als Schüler haben wir gelernt, dass unsere ach so feste Materie – näher betrachtet – gar nicht so solide ist, wie sie sich anfühlt. Die Dinge um uns herum bestehen aus Molekülen, diese wiederum aus Atomen, und die Atome setzen sich aus so genannten subatomaren Teilchen zusammen.

Und auf der Ebene dieser kaum noch zu lokalisierenden, extrem feinen Teilchen geschieht etwas Erstaunliches: Hier löst sich die feste Materie auf. Es ist, als wären wir einer Fata Morgana aufgesessen. Die subatomaren Teilchen, das beweist die Quantenphysik, bestehen nicht aus solider Masse, sondern aus Wellen. Und diese wiederum lassen sich auf noch fundamentalere Energie- oder Potenzialfelder zurückführen.

Kurz: Die Bausteine der Schöpfung sind keine festen Kügelchen, wie wir uns das früher vorgestellt haben. Es sind Phänomene, die Physiker mit Begriffen wie Wellenpakete,Wavicles“ oder „Solitone“ beschreiben. Und das Feld, das wiederum die Grundlage dieser Wellenpakete bildet, ist ein unbegrenzter Ozean reiner Potenzialität.

Es ist unendliche Kraft, größtmögliche Energie und gleichzeitig tiefe Stille. Es enthält die konzentrierte Intelligenz der Natur. Alle Dynamik, so formuliert es die theoretische Physik, ist in diesem Feld schon in Form virtueller Fluktuationen enthalten.

Jenseits der Physik

Dieses Modell einer geschichteten Schöpfung gilt nicht nur in der Physik; andere Wissenschaftszweige sehen die Welt genauso. Nehmen wir unseren Körper. Auch er ist in Schichten oder Ebenen aufgebaut. Organe bestehen aus Zellen. Zellen besitzen Zellkerne, Membranen und andere Bestandteile. Diese wiederum setzen sich aus Molekülen zusammen, einschließlich der DNS-Stränge, in denen die Baupläne des Körpers gespeichert sind. Ähnliches gilt auch für die Persönlichkeit. Der Körper ist die gröbste, die materielle Ebene unserer individuellen menschlichen Existenz. Feiner sind die Sinne. Feiner noch ist der denkende Geist. Feiner als dieser der unterscheidende Intellekt. Und noch feiner ist das Ich oder das Selbstgefühl – die Instanz, die das Individuum vom Rest des Universums abgrenzt.

Und worauf ruht dies alles? Auf Bewusstsein. Bewusstsein ist die feinste Ebene all unserer menschlichen Erlebens- und Ausdrucksformen. Es ist die Qualität, die alles durchdringt.

Das Grundgesetz

Es ist außerordentlich wichtig, dass wir dieses Konzept verstehen: Das Feine ist die Grundlage des Gröberen, des Greifbaren. Diese Erkenntnis müssen wir fest im Herzen verankern. Denn sie öffnet uns das Tor zu größtmöglicher Energie und Kraft. Das Prinzip ist verblüffend einfach und gleichzeitig von enormer Tragweite:

Die Energie verbirgt sich im Feinen.

Das Feine ist mächtiger als das Grobe. Je feiner, desto kraftvoller.

Dieser Grundsatz gilt überall und ausnahmslos. In allen Bereichen der Schöpfung sind die jeweils feineren, fundamentaleren Ebenen machtvoller und energetischer als die gröberen, für uns sichtbaren Strukturen. Jawohl, das ist die Botschaft. Mit dem Kopf kommt niemand durch die

Wand, auch wenn die Machos dieser Welt uns das vorgaukeln wollen. Nein, wahre Kraft wächst aus dem Feinen, wahre Macht aus dem Diskreten. Hier liegt das Geheimnis allen Erfolgs. Wer dieses Prinzip anwendet – bewusst oder unbewusst –, besitzt den Schlüssel, der alle Türen öffnet.

Die feine Macht des Fortschritts

Vor 200 oder 300 Jahren noch war es üblich, Nachrichten auf Papier zu schreiben und mit reitenden Boten von Stadt zu Stadt zu tragen. Und Kaufleute berechneten ihre Lagerbestände und Business-Pläne, indem sie Steine auf Rechenbrettern oder Holzperlen auf Schnüren hin und her schoben. Heute erledigen Computer diese und viele andere Rechenvorgänge in unvorstellbar kurzer Zeit. Funk, Fax und Fernsehen, Laser, Glasfaserkabel und Internet schicken Nachrichten in Sekundenbruchteilen um die Welt.

Warum ist das möglich? Weil Wissenschaftler und Ingenieure es gelernt haben, nicht nur die groben Ebenen der materiellen Welt zu nutzen – sondern auch die elektrische Ladung der Atombausteine und die unsichtbaren elektromagnetischen Felder. Erst diese feineren, für die Sinne nicht greifbaren Ebenen haben unsere modernen Telekommunikations-Technologien entstehen lassen.

Kraft, die in der Tiefe schlummert

Unsere Vorfahren kannten eine wunderbar einfache Methode, Steine zu sprengen. Man trieb einen

Holzkeil in eine Felsspalte und begoss ihn mit Wasser. Das sich ausdehnende Holz sprengte das Gestein wie von Götterhand. Nicht schlecht. Aber wie lange hätte es wohl gedauert, die Alpentunnel zu bauen oder den Eurotunnel unter dem Ärmelkanal – nur mit Keil und Hacke und Schaufel? Zum Glück kennen wir heute bessere Mittel, um Felsen zu spalten. Sprengstoffe wie Dynamit sind tausendmal wirksamer als Meißel, Keil und Hebel – weil sie nicht nur mechanische Kräfte nutzen, die an der Oberfläche der Dinge ansetzen.

Sie nutzen die Energie, die bei einer bestimmten chemischen Reaktion explosionsartig frei wird. Wissenschaftlich ausgedrückt: Sie setzen die Bindungsenergie frei, die Atome aneinander kettet. Noch tiefer, feiner und tausendmal kraftvoller als die chemische Ebene ist die nukleare. Bei der Kernspaltung wird jene Energie freigesetzt, die innerhalb eines Atomkerns die Kernbausteine zusammenhält. Was für eine unglaubliche Kraftreserve! Ein Brikett, das (chemisch) verbrennt, wärmt eine Stube vielleicht zwei Stunden lang.

Die gleiche Menge Uran in einem Kernreaktor kann eine ganze Stadt wochenlang mit Energie versorgen. Im nächsten Schritt werden Sie leicht erraten, warum die Kernfusion, die im Inneren der Sonne abläuft und unser gesamtes Planetensystem heizt und beleuchtet, noch mehr Energie freisetzt als die Kernspaltung.

Richtig: Weil sie noch tiefere Kräfte nutzt. Bei der Verschmelzung zweier Wasserstoffatome zu einem Heliumatom werden, quasi als Nebeneffekt, winzigste Mengen Materie komplett in Energie umgewandelt. Und das geschieht – dieses eine Mal will ich Sie mit Mathematik belästigen, aber es kommt nicht wieder vor – nach Einsteins Formel E = mc². Soll heißen: Das Verhältnis zwischen Materie und Energie entspricht dem Quadrat der Lichtgeschwindigkeit. Oder, laienhaft ausgedrückt: Wenn ich Materie in Energie verwandele, ist die Menge an Energie mehrere Billiarden Mal so groß wie die ursprüngliche Menge an Materie.

Der Geist besiegt die Materie

Das Beispiel von eben gefällt Ihnen nicht, weil Sie den Fortschritt nicht sehen, den Kernspaltung und Kernfusion der Menschheit gebracht haben? Sie haben Recht. Beide Prozesse liefern mehr Energie, als der Mensch sicher beherrschen kann. Die friedliche Nutzung der Kernspaltung ist voller Gefahren, die der Kernfusion bislang unmöglich. Grauenhafte Wirklichkeit sind dagegen die Zerstörungen, die beide Technologien anrichten können – als Atombomben und Wasserstoffbomben.

Dennoch ist das kein Widerspruch zu unserer Argumentation. Wir haben nur das Gebiet gewechselt: Vom Feld der Naturwissenschaften betreten wir das Feld des Militärischen. Und dort ist es traurige Wirklichkeit, dass die feinste Naturwissenschaft die gröbsten Waffen hervorgebracht hat.

Hoffnung besteht aber auch hier. Denn auch im Bereich der schieren Gewalt gilt unser grundlegendes Prinzip: Jede tiefer wir in die feineren Wirkungsmechanismen der Natur vordringen, desto leichter lassen sich Veränderungen auf den groben Ebenen der Materie herbeiführen.

Konkret gesagt: Grobe Waffen lassen sich mit feineren Strategien besiegen; und feinere Methoden als Gewalt können Waffen an sich zum Schweigen bringen. Beispiele dafür gibt es in der Geschichte genug.

Im alten Testament schon hat David – ein Fliegengewicht, das kaum zum Rekruten taugte –, den zwei bis drei Mal so schweren, muskelbepackten Superschwergewichtskämpfer Goliath mühelos zu Fall gebracht. Wie? Indem er statt Muskeln und Schwert seine Kreativität und Fein-(!)Motorik eingesetzt hat.

In der griechischen Mythologie überwand eine einfache List die unbezwingbaren Mauern Trojas.

Und 2000 Jahre später sagte Napoleon voraus, dass das Wort das Schwert besiegen werde. Er behielt Recht: Nicht seine Armeen ließen Europa zusammenwachsen; sie wurden von Väterchen Frost besiegt, traten einen schmachvollen Rückzug an und ließen verhärtete politische Fronten zurück. Erst Fortschritte in Bildung und Information halfen später, die Grenzen der Nationalstaaten wieder aufzuweichen.

Auch das Atomzeitalter kennt solche Beispiele. Immer wieder erleben wir es, dass Partisanen mit leichten Waffen eine hoch gerüstete Armee in Schach halten. Im Kalten Krieg hat die Angst der Politiker – oder ihre Liebe zum Leben – verhindert, dass die Supermächte ihre Atombomben tatsächlich einsetzten.

Und vor dem gewaltlosen Widerstand des indischen Volkes unter Gandhi kapitulierte die britische Kolonialmacht.

Die sanfte Kraft der Liebe

Wir sehen: Selbst auf dem gröbsten Feld des menschlichen Zusammenlebens, dem Feld der Gewalt und der militärischen Macht, gilt das Prinzip, dass das Feinere dem Gröberen an Wert und Wirksamkeit überlegen ist.

Die Hoffnung der Welt ruht auf einer einfachen Tatsache: Worte und Gedanken können Armeen besiegen, weil sie auf einer tieferen Ebene wirken als körperliche Gewalt. Weil sie mehr Menschen wirksamer erreichen, als eine Waffe es kann. Und wenn Worte nicht reichen, um einen Gegner zu überzeugen?

Dann müssen wir noch eine Ebene tiefer gehen. Um einen anderen Menschen friedvoll zu stimmen – um seine Gedanken, seine Weltanschauung nachhaltig zu verändern –, müssen wir sein Herz berühren. Und das tun wir mit dem zartesten aller Gefühle: mit der Liebe. Mit ihr bereiten wir den Boden, auf dem Logik und intellektuelle Annäherung überhaupt erst gedeihen können.

Das alte Sprichwort „Liebe überwindet alle Hindernisse“ ist absolut wahr.

Denn Liebe überwindet sogar das feinste und stärkste Bollwerk, das wir kennen – den menschlichen Intellekt.

Die Liebe versagt nie.

  1. KORINTHER 13:8

Fazit

In allen Bereichen gilt das universelle Gesetz: Je elementarer die Naturgesetze, die wir nutzen, – je feiner die Ebene der Schöpfung, auf der wir die Impulse setzen –, desto größer sind die Erfolge, die wir erzielen. Und desto geringer wird der Aufwand, den wir betreiben müssen.

Quelle: http://www.lazyway.de/

Wenn das Universum auch quantenmechanisch klein ist und in einer Nussschale Platz hätte, könnte es auch in uns selbst sein: Der Mensch ein Mikrokosmos, ein Universum im kleinsten!